Umbrüche im Leben
Sich in der neuen Rolle wiederfinden und spüren, wofür man da ist.
Ihr Alltag sieht nicht mehr aus wie früher, und Sie stehen in einer Rolle, die Sie erst kennenlernen müssen. Vielleicht ist es der Ruhestand: Erst fühlt es sich an wie Dauerurlaub, dann kommt die Leere nach dem Berufsleben, das Empty-Desk-Gefühl, und Sie verlieren sich. Oder die Kinder sind aus dem Haus: Und was kommt jetzt? Ich fühle mich einsam. Wer bin ich jetzt in der Partnerschaft? Wer braucht mich noch? Und ich kann die erwachsenen Kinder nicht loslassen. Vielleicht sind es die Wechseljahre, und es braucht ein neues Bild von Weiblichkeit oder Partnerschaft, während Sie sich fragen: Werde ich noch gesehen? Oder es ist ein Umbruch, über den Sie sich gefreut haben, die Mutterschaft zum Beispiel, und jetzt verstehen Sie sich selbst gar nicht mehr. Sie haben sich doch so gefreut, und alle denken, es müsste die schönste Zeit Ihres Lebens sein.
Die Herausforderung eines Umbruchs wird häufig unterschätzt. Die neue Rolle hat großen Einfluss darauf, wie Sie sich selbst sehen, und plötzlich fragen Sie sich: Wer bin ich jetzt? Gleichzeitig ziehen Sie Bilanz über Ihr bisheriges Leben. Und es kommt die Frage nach dem Sinn: Wofür bin ich da, hat mein Leben noch einen Wert? Das alles gilt auch für Umbrüche, die Sie sich gewünscht haben. Immer ist auch Abschied dabei, eine Form von Trauer (→ Abschied und Trennung). Bekommt sie keinen Raum, kann daraus eine depressive Phase werden.
Ein Umbruch spielt für mich in drei Zeiten. Mit dem Vergangenen abschließen, ohne es zu verdrängen: Was war, bekommt seinen Platz und wird ein Teil von Ihnen. Eine Perspektive entwickeln, eine Vision für das, was kommt. Und sich selbst in der Gegenwart verstehen und steuern. Ihre Gefühle sind dabei Informationen (→ Gefühle verstehen und regulieren).
Mögliche Ansätze
Wir beschreiben gemeinsam, wo Sie gerade stehen: wie es Ihnen geht, wie Ihr Alltag aussieht, seit sich so vieles verändert hat, und was jetzt schon funktioniert. Sind Angst oder Niedergeschlagenheit dabei, setzen wir zuerst dort an. Dann üben wir, wie Sie im Alltag stabil bleiben, wenn es eng wird. Von dort aus arbeiten wir an den Fragen, die ein Umbruch stellt, ob gewünscht oder nicht, etwa: Wovon fällt mir der Abschied schwer? Was macht mir am Neuen Angst? Woran hängt mein Selbstwert, wenn sich meine Rolle ändert? Warum fühlt es sich nicht so an, wie alle denken, obwohl ich mich doch so gefreut habe? Und wie soll es für mich weitergehen? Ein möglicher Weg dahin sind Bildkarten oder Musikstücke, die Ihnen etwas bedeuten: Manche Menschen bekommen so einen leichteren Zugang zu ihren Themen. Mehr dazu unter Arbeit in der Tiefe.






