Katrin Funke · Coach und Heilpraktikerin (Psychotherapie) · Praxen in Duisburg und Neumagen-Dhron, Coaching auch onlineDer Systemkompass

Ein Stück Abstand: die eigene Emotion als Punkt vor sich sehen.

Was fühlen Sie gerade? Und woher wissen Sie, dass es genau diese Emotion ist?

Das ist viel schwieriger, als wir denken. Fast jede Antwort, die ich darauf höre, liegt irgendwo zwischen gut, schlecht und angespannt. Ich selbst habe vor zehn Jahren nichts anderes gesagt. Das ist eine Karte mit sehr groben Strichen. Genau hier setzt der Systemkompass an.

Er verbindet bestehende Konzepte, die ich in meinen Sitzungen weitergedacht habe.

Ich zeichne den Kompass auf, und jemand sieht seine Emotion zum ersten Mal vor sich, als das, was sie ist: eine Nachricht, die verstanden werden will.

Erster Schritt · Ihr Punkt

Der goldene Punkt ist ein Beispiel: Hier liegt er nach dem Streit am Telefon, um den es gleich geht.

Ein Kreuz aus zwei Achsen: links unangenehm, rechts angenehm, oben viel Energie, unten wenig Energie. Vier Räume: oben links Sturm, oben rechts Sonne, unten links Nebel, unten rechts Tau. Ein goldener Punkt liegt als Beispiel oben links im Sturm; zwei gestrichelte Linien führen von ihm auf die beiden Achsen.

Zwei Fragen reichen für Ihren Punkt. Fühlt es sich gerade angenehm an oder unangenehm? Und ist viel Energie da oder wenig? Ein Wort für die Emotion brauchen Sie dafür noch nicht.

Die beiden Linien kennen Sie eigentlich schon. Gut oder schlecht, das ist die eine: wie es sich anfühlt. Angespannt gehört zur anderen, zur Energie. Der Kompass zieht die groben Striche nur weiter aus.

Ein Beispiel. Sie haben am Telefon gestritten, das Gespräch ist vorbei, und in Ihnen ist es noch laut. Viel Energie, und es fühlt sich sehr unangenehm an. Der Punkt liegt oben links.

Und wenn Sie gerade nichts spüren oder es nicht wissen? Auch das ist ein Befund. Über den Körper geht es dann oft leichter: Bin ich unruhig oder schwer?

Was sagen die Linien? Ob sich etwas angenehm oder unangenehm anfühlt, zeigt, ob ein Bedürfnis gerade erfüllt ist oder nicht. Viel Energie drängt zum Tun, wenig zur Ruhe. Daraus werden zwei Fragen. Welches Bedürfnis steckt dahinter? Und was kann ich tun? Manchmal heißt die ehrliche Antwort: gerade wenig. Tankt die Ruhe aber nicht auf und bleibt die Energie unten, kann eher ein kleiner Schritt nach außen dran sein. Die Linien zeigen, wohin Ihr System zieht. Was Sie daraus machen, entscheiden Sie.

Warum will ich das überhaupt wissen?

Weil schon der Punkt allein etwas verändern kann. Was eben noch überall war, liegt dann vielleicht als Punkt vor Ihnen, mit etwas Abstand. Sie haben zwei Linien statt nur gut oder schlecht. Einen falschen Ort gibt es dabei nicht. Sie können anfangen herauszufinden, was Sie gerade brauchen. Was alles mit hineinspielt, kommt im zweiten Schritt.

Setzen Sie über Wochen viele Punkte, kann sich Ihr eigenes Muster zeigen. Vielleicht sagen Sie dann früher, was in Ihnen los ist, und nicht erst, wenn es herausplatzt. Und vielleicht entscheiden Sie mit Verstand und Emotion gemeinsam.

Und manchmal zeigt der Punkt, dass gerade gar nicht Verstehen dran ist, sondern erst Beruhigen.

Ist der Aufruhr sehr groß, kommt zuerst etwas anderes: atmen, die Füße auf den Boden stellen, ein paar Schritte gehen. Die Fragen warten so lange.

Auf mindme-system.com tippen Sie ein Feld an, sehen, wo Ihr Punkt liegt, und gehen den zwei Fragen für sich allein nach. Das ist keine Therapie und ersetzt keine.

Zweiter Schritt · Wie wird aus dem Punkt eine Emotion?

Der Punkt ist noch nicht die Emotion. Oben links, wo er nach dem Telefonat liegt, kann Angst sein. Oder Wut, Ärger, etwas ganz anderes. Oft sind es mehrere zugleich.

Was es ist, zeigt sich in den acht Ebenen rund um den Kompass. Sie sind Seiten einer einzigen emotionalen Erfahrung. In jeder Millisekunde sind sie alle da, nur kommt nicht alles im Bewusstsein an. Sie gehören zusammen, und alles beeinflusst sich gegenseitig: Nach einer kurzen Nacht klingt die Stimme im Kopf oft anders.

Wo Sie anfangen, ist Geschmackssache. Die Nummern sind keine Reihenfolge.

Ein schlichtes Mobile aus dünnen schwarzen Drähten und runden Scheiben hängt im Sonnenlicht vor einer salbeigrünen Wand, sein Schatten daneben, mit KI erzeugt
Derselbe Kompass, blass, mit demselben goldenen Punkt oben links im Sturm. Rundherum liegen die acht Ebenen.

Situation

Der Anlass, den wir gern für den einzigen Grund halten.

Der Streit am Telefon, die Absage, die E-Mail am Freitagabend. Das ist der konkrete Anlass, den auch andere sehen. Er hat angerufen, also bin ich wütend.

Manchmal ist der Anlass wirklich schwer, und das bleibt er, an jedem Tag. Ein Anruf wie dieser dagegen trifft Sie an einem Tag kaum und an einem anderen mitten hinein.

Und manchmal gibt es gar keinen Anlass, auf den Sie zeigen können. Gerade in einer depressiven Phase ist die Schwere oft einfach da, ohne einen Auslöser, den Sie benennen könnten. Dann lohnt der Blick auf die anderen Ebenen.

Kontext

Alles, was sonst noch los ist.

Wie haben Sie geschlafen? Sind Sie hungrig, krank, tut etwas weh? Dazu ein anderer Konflikt, der noch nicht durch ist. Druck bei der Arbeit, das, was zu Hause gerade los ist. All das ist da, in Ihnen und um Sie herum.

Der Kontext wechselt von Tag zu Tag, und er stellt die Lautstärke ein. Dieselbe E-Mail liest sich nach einem freien Wochenende anders als am Ende einer langen Woche.

Und wenn Sie sich hinterher fragen, warum Sie so heftig reagiert haben: Der Tag war schon voll, bevor die E-Mail kam. Oft war einfach kein Platz mehr.

Brille

Wie wir die Welt sehen.

Die Chefin sagt im Vorbeigehen: „Kommen Sie nachher mal kurz zu mir?" Der eine denkt sofort: Was habe ich falsch gemacht? Die andere: Endlich, das neue Projekt. Derselbe Satz, zwei Brillen.

Die Brille ist eine Voreinstellung, sie ist schon da, bevor etwas passiert. Früh gelernt, bleibt sie über Jahre ziemlich stabil. Mit ihr lesen Sie, was geschieht.

Ihre eigene Brille sehen Sie selten, Sie schauen ja durch sie hindurch. Befragen können Sie sie trotzdem. Woher kenne ich diese Lesart? Und stimmt sie hier?

Innere Stimme

Die Stimme im Kopf, die uns Geschichten erzählt.

Sie liegen nachts wach und hören sich denken: Das schaffst du nie.

Solche Geschichten erzählt die Stimme im Kopf ständig, über Sie selbst und über die anderen. Meist so vertraut, dass Sie gar nicht merken: Das ist eine Geschichte. Es klingt wie eine Tatsache.

Manchmal hat die Stimme einen Ton, den Sie kennen, von jemandem von früher. Dann lohnt es sich, zweimal hinzuhören: was sie sagt, und wessen Satz das eigentlich ist.

Körperliche Empfindungen

Körper und Geist, zwei Seiten einer Medaille.

Was Sie fühlen, zeigt sich auch im Körper: ein enger Hals, ein Druck auf der Brust, Schultern, die nach oben wandern, warme Hände. Auch die Energie aus dem ersten Schritt spüren Sie hier, als Unruhe in den Beinen oder als Schwere, die sich nicht wegschieben lässt.

Und wenn er kaum etwas meldet? Manchmal fühlt er sich auch taub oder leer an. Auch das ist eine Empfindung, kein Versäumnis.

Impuls

Wo es einen hinzieht.

Meist lässt sich ein Impuls einer von drei Richtungen zuordnen: hin, weg oder erstarren. Das gilt für angenehme Emotionen genauso wie für unangenehme.

Bei unangenehmen kennen Sie die drei als Kampf, Flucht und Erstarren. Sie wollen der Person sofort schreiben und sich wehren: Kampf. Sie möchten sich unter der Bettdecke verkriechen: Flucht. Und manchmal fehlen einfach die Worte. Das ist Erstarren. Es geschieht von selbst, und im Nachhinein lässt es sich oft als Schutz erkennen.

Der scharfe Satz in der Besprechung ist heraus, bevor Sie ihn sich überlegt haben, und am Abend tut er Ihnen leid. Auch das war ein Impuls.

Nicht jedes Wegwollen ist Flucht. Ruhe und Rückzug sind zweierlei.

Bei angenehmen Emotionen zieht es meist hin. Sie wollen es jemandem erzählen, jemanden umarmen, weitermachen. Oder einfach noch ein bisschen bleiben.

Vergangenheit

Was von früher gerade lebendig wird.

Ein Tonfall, eine Tür, die zuschlägt, ein bestimmtes Datum: Manchmal trifft etwas von heute auf etwas Altes. Das ist ein Trigger, deutlich zu spüren oder ganz unbemerkt. Auch eine Emotion oder ein Körperzustand kann der Auslöser sein. Dann antworten Sie nicht nur auf das, was gerade passiert.

Manchmal sträubt sich auch etwas in Ihnen. So ein Widerstand ist oft ein Schutz, der früher Sinn hatte. Und manche Emotionen schieben Sie weg, weil sie früher nicht sein durften.

Die Vergangenheit bringt aber auch mit, was Sie schon durchgestanden haben. Und was Sie damals über Wasser gehalten hat.

Die Kindheit ist eine Quelle davon, nicht die einzige. Und manchmal entlastet schon der Satz: Das ist älter als heute.

Zukunft

Was wir erwarten, und wohin wir wollen.

Etwas bleibt aus, mit dem Sie gerechnet haben, und Sie sind enttäuscht. Oder das Befürchtete kommt nicht, und Sie sind erleichtert. Oder angenehm überrascht. Es geht in beide Richtungen. Sie messen, was passiert, an dem, was Sie erwartet haben. Und darin steckt, was Ihnen am Herzen liegt.

Und dann der Blick nach vorn. Manchmal ist kaum Zukunft zu sehen. Das sagt etwas darüber, wie viel Kraft gerade da ist, und nicht unbedingt etwas darüber, was kommen wird.

An anderen Tagen ist sie ganz nah: Vorfreude, Hoffnung, die Frage, wohin Sie wollen. Die Reise im Frühjahr macht den grauen Februar ein wenig heller.

Und das Telefonat? Im Körper ist es noch heiß. Der Impuls will sofort zurückschreiben, sich wehren. Und die innere Stimme sagt: Er hat mir gar nicht zugehört. Das spricht eher für Wut. Worum es der Wut geht, verrät die Stimme im Kopf: um eine Kränkung. Gelöst ist damit noch nichts. Aber Sie wissen, womit Sie es zu tun haben.

Neugierig geworden? Das Telefonat war nur ein Beispiel. Ausprobieren können Sie den Kompass für sich allein auf mindme-system.com, das ist keine Therapie.

Oder wir schauen uns das gemeinsam an.

Auf Dauer

Die eigenen Muster kennen und Entscheidungen treffen, hinter denen man ganz steht.

Wer seinen Punkt einmal setzt, versteht einen Moment. Wer es öfter tut, sieht nach einer Weile, was sich wiederholt: dass der Ärger kommt, sobald jemand über Ihren Kopf hinweg entscheidet. Dass die Schwere am Ende der Monate auftaucht, in denen Sie nur für andere da waren. Oder dass Sie die ruhigen, angenehmen Orte auf dem Kompass kaum kennen.

Kennen Sie so ein Muster, sehen Sie es manchmal kommen. Dann bleibt Zeit, gegenzusteuern. Oder wenigstens zu sagen: Ich bin heute dünnhäutig, es liegt nicht an dir.

Manche Entscheidung fällt schwer, weil der Kopf längst Gründe gesammelt hat und die Emotion noch gar nicht gefragt wurde. Dürfen beide mitreden, der Kopf und die Emotion, ist die Entscheidung am Ende eher Ihre eigene.

Die Wurzeln des Systemkompasses

In der Praxis entstanden, um Emotionen verständlich zu machen, die sonst überwältigen oder kaum noch zu spüren sind.

Ich brauchte ein Instrument für meine Klienten. So ist der Systemkompass entstanden. Immer wieder habe ich erlebt, dass Emotionen Menschen entweder überwältigen oder dass sie weggedrückt werden, bis sie kaum noch zu spüren sind. Es brauchte etwas, das wir gemeinsam ansehen können.

Zwei Gedanken haben mich dabei geleitet. Emotionen tragen eine Nachricht, und es lohnt sich, sie zu lesen. Und der menschliche Geist ist ein komplexes System, in dem vieles zusammenwirkt und wenig nach einem Wenn-dann-Schema läuft. Gleichzeitig sollte das Werkzeug einfach sein: so einfach, dass ich es in einer Sitzung aufzeichnen kann und Sie es im Alltag wiederfinden.

Angeregt haben mich die Arbeiten von Daniel Siegel, Marc Brackett und Lisa Feldman Barrett. Ich habe ihre Gedanken weiterentwickelt und zu einem eigenen Modell zusammengeführt.

Für Teams

Im Team sagen können, was man braucht, und hören, was die anderen brauchen.

In einem Team fühlen alle etwas, auch wenn selten darüber gesprochen wird. Die eine ist seit Wochen am Limit und sagt es nicht. Der andere reagiert in der Besprechung gereizt und weiß selbst nicht genau, warum: weil die Nacht kurz war, weil ein Projekt gestrichen wurde, an dem er hing, weil er seit Wochen auf eine Zusage wartet. Die anderen sehen nur die Reaktion und antworten darauf.

Mit dem Kompass kann jede und jeder für sich klären, was dahintersteht, und es in einem Satz sagen: Ich bin gerade angespannt und brauche bis Freitag eine Entscheidung. Oder: Ich bin müde und heute nicht der Richtige für Grundsatzfragen. Das ist eine andere Auskunft als ein knappes „passt schon", und die anderen können darauf eingehen, statt zu raten.

Für Führungskräfte kommt etwas hinzu. Wer vor einer schwierigen Besprechung merkt, dass er schon auf Abwehr steht, kann sich sammeln, bevor er hineingeht, und dann klar führen statt aus dem Ärger heraus. Und die eigenen Bedürfnisse? Die kommen bei vielen, die führen, als Letztes dran. Auch die gehören auf den Kompass.

Wie ich mit Geschäftsführung, Führungskräften und Teams arbeite, lesen Sie unter Für Führung und Teams.

In meiner Praxis ist der Kompass ein Modell, mit dem wir gemeinsam arbeiten. Auf meiner zweiten Seite nutzen Sie ihn für sich allein; das ist keine Therapie und auch kein Ersatz dafür. Das Ausprobieren ist kostenlos, Sie brauchen keine Anmeldung, und was Sie dort anklicken, wird nicht gespeichert.